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4.3.2011

Der Castor-Behälter

Filed under: Gedichte — WR @ 15:36

Der Castor-Behälter

Leda war einst eine sehr schöne Dame
Griechenland macht für sie heut noch Reklame.
Herrn Tyndareos war ihr leiblicher Gatte,
der sehr viel Lust und Spaß mit ihr hatte.

Doch in einer Nacht passierte ein Wunder
nach mehreren Gläsern vom Späten Burgunder.
Leda wurd schwanger, gleich von zwei Männern,
das war befremdlich, doch nicht zu ännern.

Der eine war nämlich ihr eigner Gemahl,
was ganz natürlich und völlig normal.
Der andre war Zeus, verkleidet als Schwan,
und beide verkehrten mit ihr simultan.

Ich weiß nicht genau, wie so etwas möglich,
doch Griechen erlebten ähnliches täglich.
Und Leda, die ihre Unschuld verloren,
hat infolgedessen zwei Knäblein geboren.

Zwillinge warn es, drollig ein jeder,
fabriziert durch verschiedene Väter.
Pollux war göttlich, weil Zeus ihn stark prägte,
als er die Leda ausschweifend pflegte.

Castor war menschlich, und deswegen sterblich,
also wie Tynadareos sein Vater verderblich
Man müßte Humangenetiker fragen,
was die zu solch einem Teamwork wohl sagen.

Zurück zu den Buben und ihren Spuren.
Sie hießen im Volksmund: “Die Dioskuren”
Beide Brüder waren ausnehmend tüchtig,
wurden zusammen auch wehrdienstpflichtig.

Sie reisten herum mit den Argonauten,
die oft am Schwarzmeer die Völker verhauten,
kämpften recht tapfer auf hohen Rössern,
und wollten die Welt ein wenig verbessern.

Pollux gab sich privat eher friedlich,
war im Umgang mit Freunden stets gütlich.
Castor hingegen war meist problematisch,
aufbrausend, frech und undiplomatisch.

Häufig geriet er  aus Jähzorn in Streit.
beging auch manche Unsportlichkeit.
Einmal gabs Prügel, der Castor sah rot,
erst fiel er um, und dann war er tot.

Pollux kaufte nun ganz ohne arg
für seinen Bruder einen riesigen Sarg,
der kostete mehrere Monatsgehälter,
und hieß bei den Griechen “Castor-Behälter”.

Eine knallweiße Hülle außen aus Stahl,
blau strahlte innen ein Mords-Futteral,
in dem die Leiche in einem Verschlag,
aus lauter zierlichen Brennstäben lag.

Nur wußten die Griechen, da Vorsicht geboten,
nicht gleich wohin mit dem lästigen Toten.
Die Strahlenbelastung, dachten sie ehrlich,
sei für Hellenen ziemlich gefährlich.

Im Hades war grad keine Grabkammer frei,
der Olymp gesperrt durch Gebirgspolizei.
Da legte man Castor mit trauernden Mienen
auf eigens dafür gebastelte Schienen

und hat ihn, um Aufenthaltskosten zu sparen
einfach nach Niedersachsen gefahren.
Im Wendland sollte der Trauerzug enden
bei den nichts Böses ahnenden Wenden.

Castor sollte hier frei von Gebühren
posthum ein friedliches gor Leben führen,
versorgt von all unsern Sakramenten
und konserviert von Kernelementen.

Der Zug wollt ins Zwischenlager gelangen.
Da haben die Wenden ihn tobend empfangen.
Sie hielten schon Dreschflegel in ihren Händen,
wie es so üblich bei wütenden Wenden,

haben sich in das Gleisbett gebettet,
und an die Schienen der Bahn festgekettet.
Andere, die ganz besonders verlottert
haben die Gleisbetten auch noch geschottert.

Man merkt, das Dasein wird immer rabiater,
um uns herum herrscht nur noch Theater.
Vermutlich jedoch machen auf Dauer
die Astrologen uns wesentlich schlauer.

Denn die Milchstraße ist das Endlager oben,
zum Firmament wird der Castor geschoben.
Dort können die Zwillinge, was sie ja sollen,
als Sternbilder strahlen, solange sie wollen.
 

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